Der Film ist eine Kunstform, die ihren Ausdruck in der Produktion bewegter Bilder findet. In der Regel werden die Bilder mit einem Filmprojektor im Dunkeln auf eine Bildwand projiziert oder auf einem Bildschirm erzeugt. Heutzutage handelt es sich bei den Filmen des Kinos und des Fernsehens meist um farbige Bilder, die vertont und musikalisch untermalt sind. Der Film ist unter anderem Gegenstand der Filmwissenschaft und der Filmtheorie. Die technische, kulturelle und künstlerische Entwicklung dieses optischen Mediums von seinen Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ist unter Filmgeschichte ausführlich dargestellt.
Begriff
Ursprünglich verstand man unter Film (engl. film, „Häutchen“) eine dünne Schicht (z. B. einen Ölfilm), oder auch eine dünne Folie. Mit der Erfindung der Fotografie und dem Übergang von der Fotoplatte zu dem flexiblen Träger aus Nitrozellulose für die Fotoemulsion wurde der Begriff Film für dieses Fotomaterial verwendet. Ebenso nannte man Szenen bewegter Bilder auf derartigem Material Film, bis schließlich die ganze Kunstform als Film bezeichnet wurde. Heute sind auch Ableitungen wie filmen, Filmgeschäft, oder Filmindustrie üblich.
Filmgeschichte
Die Filmgeschichte zeichnet die Entwicklung des Films nach, der neben der Musik, der Literatur und der bildenden Kunst eine eigenständige Kunstform darstellt. Die Filmgeschichte erstreckt sich von den frühesten technischen Errungenschaften über die ständige stilistische Weiterentwicklung bis hin zum jetzigen Stand des Films. Dabei wird versucht, die komplizierten Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Politik und Ästhetik aufzulösen.
Die Anfänge
Vorführung mit einer Laterna magica
Eadweard Muybridges Serienfotografie eines galoppierenden Pferdes
Die Vorgeschichte der Filmkunst begann schon im 17. Jahrhundert, als es erste Vorführungen mit einer Laterna magica gab. Dieses Gerät konnte eine Reihe von Bildern, die auf eine Glasplatte gemalt waren, ähnlich einem Diaprojektor an die Wand werfen, musste aber manuell bewegt werden.
1832 entwickelten der Deutschösterreicher Simon Stampfer und der Belgier Joseph Plateau unabhängig voneinander das Lebensrad, das beim Betrachter den Eindruck bewegter Bilder erzeugte. Es macht sich den stroboskopischen Effekt zunutze: eine Bewegungsillusion entsteht beim Betrachter, sobald Einzelbilder mit Unterbrechung und in ausreichender Geschwindigkeit aufeinanderfolgen.
Der Ingenieur Franz von Uchatius schließlich erfand 1845 eine Kombination beider Geräte, die jedoch nicht für die Projektion längerer Sequenzen hergestellt werden konnte.
Der Ursprung des Films liegt in einem Trick, dem kinematografischen Urtrick (Trickfilm). Eine notwendige Voraussetzung für den Film als reproduzierende Kunst war die Fotografie – bis dahin konnten nur gemalte Bilder und Figuren manuell bewegt und dann projiziert werden. Ihren Ursprung hat die Fotografie bereits im 16. Jahrhundert in der Camera obscura, mit der eine Abbildung der Wirklichkeit auf einer Fläche möglich war. Nachdem Joseph Nicéphore Niépce ein Verfahren zum Festhalten des Lichts erfunden hatte, machte Louis Daguerre einen eigenen Entwicklungsschritt, den im Jahre 1839 Arago als Daguerreotypie vorschlug. Damit war es erstmals möglich, die Natur sich selbst abbilden zu lassen. Ein Daguerreotyp ist ein seitenverkehrtes Foto-Positiv auf Metall.
Bis zur wirklichkeitstreuen Filmaufnahme musste noch manche technische Hürde genommen werden. Die Belichtungszeit für ein Einzelbild war noch zu lang, als dass man damit eine Bilderfolge hätte herstellen können, deren einzelne Phasen für die Bewegungsillusion zeitlich eng genug zusammenliegen. Der Durchbruch gelang im Jahre 1872 dem Fotografen Eadweard Muybridge, der erstmals Serienfotografien von einem galoppierenden Pferd anfertigte. Später erfand er auch ein Vorführgerät für seine Fotografien, das Zoopraxiskop. Auch Ernst Kohlrausch fotografierte ab 1890 Turnübungen in Reihen mit einem selber gebauten Chronofotografen. Weitere von Muybridge inspirierte Erfindungen sind der Elektrische Schnellseher des deutschen Erfinders Ottomar Anschütz sowie die Chronofotografische Flinte des Franzosen Étienne-Jules Marey. Mareys wissenschaftlicher Assistent Georges Emile Joseph Démény meldete 1893 seinen Photochronographe zum Patent an, eine der praktischeren Erfindungen auf dem Gebiet.
Der Franzose Louis Le Prince entwickelte in Leeds, England, als erster eine Filmkamera mit nur einem Objektiv. 1888 drehte er damit die ersten bewegten Bilder, die man aus heutiger Sicht als Film bezeichnen kann (Roundhay Garden Scene, Traffic Crossing Leeds Bridge).
Unabhängig von Le Prince entwickelte im Jahre 1891 William K. L. Dickson im Betrieb von Thomas Alva Edison je ein Filmaufnahme- und -betrachtungsgerät, den Kinetographen und das Kinetoskop, bei denen Zelluloidfilmstreifen an einem Objektiv vorbeigeführt werden. Allerdings konnte das Kinetoskop nur von jeweils einem Zuschauer zur selben Zeit benutzt werden.
Die Stummfilmzeit (1895 bis 1927)
Die erste öffentliche Filmvorführung in Europa wird den Brüdern Skladanowsky zugeschrieben. Am 1. November 1895 präsentierten sie mit ihrem Bioskop eine 15minütige Aufführung von kurzen Filmen im Rahmen eines Unterhaltungsprogramms im Berliner Varieté Wintergarten. Zur selben Zeit erfanden die Brüder Lumière ihren Cinématographen, den sie am 28. Dezember 1895 in Paris erstmals öffentlich präsentierten. Da die Lumière als Fabrikanten und Großbürger über das nötige Kapital und Kontakte zur Wirtschaft verfügten, aber auch da der Cinématographe sowohl Aufnahme- als auch Wiedergabegerät war, konnte sich ihre Erfindung in den folgenden Jahren behaupten.
Die ersten Filme waren meist nur einige Sekunden lang und zeigten Szenen aus dem alltäglichen Leben, manchmal aber auch gespielte Witz-Szenen. Ihre Faszination lag vorerst in der Machbarkeit der maschinellen Wiedergabe von Szenen. Erst später setzte das Interesse an freier Handlung ein.
Die ersten Filme wurden in Varieté-Theatern vorgeführt und waren in erster Linie der Mittelschicht vorbehalten. Noch vor 1900 wurden die Apparate der Lumière aber auch an Schausteller verliehen und verkauft, die zuerst als Nebenerwerb, später als Wanderkinobetreiber aber auch im Haupterwerb Kurzfilme präsentierten. Französische Filmgesellschaften dominierten bis zum Ersten Weltkrieg den weltweiten Filmmarkt. Großbritannien, Italien, Deutschland, Dänemark und die Vereinigten Staaten konnten Frankreich, das als erstes das wirtschaftliche Potential des Films erkannt hatte, erst ab 1914 Marktanteile abknöpfen.
Mit Anstieg des Bekanntheits- und Popularitätsgrades des Films entstanden auch erste ortsfeste Kinos, die nun auf laufend neue Filmaufnahmen angewiesen waren, um Besucher anzulocken. In Deutschland nannte man die ersten Kinos Kintöppe, in den USA wurden sie häufig als Nickelodeons bezeichnet.
Da die Brüder Lumière den Film nur als eine Ergänzung zur Fotografie sehen – sie sprechen von „lebender Fotografie“ –, beschränken sie sich in ihrer Arbeit auf die Dokumentation realer Ereignisse. Der französische Illusionist und Theaterbesitzer Georges Méliès ist jedoch der erste, der das narrative (erzählende) Potential des jungen Mediums erkennt und ausschließlich inszenierte Filme dreht. Für die Umsetzung seiner weitgehend phantastischen Stoffe und Szenen entwickelt Méliès bereits Filmtricks, wie z. B. das Stop-Motion-Verfahren, die noch heute angewandt werden.
Der Brite Arthur Melbourne-Cooper stellte die ersten erzählenden Filme in England her. George Albert Smith präsentierte 1902 mit The Little Doctor zum ersten Mal die Nahaufnahme einer Katze und legte dadurch einen Grundstein für filmisches Erzählen. Durch den Perspektivenwechsel, durch die Variation der Bildgrössen und folglich durch die Montage, die diese Wechsel in einen Rhythmus bringt, entwickelt sich in den folgenden Jahren eine Filmsprache. Als wegweisend für den erzählenden Film wird der 12-minütige Film Der große Eisenbahnraub (1903) von Edwin S. Porter angesehen. In diesem ersten Western wird ein Eisenbahnüberfall von der Durchführung über die Flucht bis hin zum Showdown geschildert.
Dreharbeiten in den New Yorker Edison Studios, ca. 1907
Ab 1910 ließen sich in Hollywood verschiedene Filmschaffende nieder, unter ihnen William Fox, Samuel Goldwyn und Adolph Zukor, und legten den Grundstein für die spätere „Traumfabrik“. Grund für die Wahl Kaliforniens war zum einen die große Entfernung von den brancheninternen Revierkämpfen an der Ostküste, zum anderen das sonnige Wetter: Aufgrund des relativ lichtunempfindlichen Filmmaterials und des damaligen Standes in der Lichttechnik war Tageslicht die wichtigste Beleuchtungsquelle beim Dreh. Auch die „Kunst des Erzählens“ wurde in den 1910er Jahren perfektioniert, und zwar auch außerhalb der Vereinigten Staaten. Italienische Monumentalfilme, Cabiria (1914), u. a. setzten Maßstäbe in Sachen Produktionsaufwand. Bekannter und einflussreicher sind jedoch die Filme des Amerikaners D. W. Griffith, aus denen Die Geburt einer Nation (1915) und Intoleranz (1916) als Meilensteine herausragen.
Der Erste Weltkrieg isolierte die Filmwirtschaften der beiden Bündnissysteme voneinander und beanspruchte Rohstoffe, die auch zur Filmherstellung notwendig waren, was für das international orientierte und produktionsstarke Frankreich einen schweren Rückschlag bedeutete. Für andere Länder wiederum, wie etwa Österreich oder Deutschland, bedeutete der Erste Weltkrieg eine Entledigung von der bis dahin so starken ausländischen Konkurrenz. In Deutschland wurden gegen Ende des Ersten Weltkriegs die UFA-Studios gegründet, die ursprünglich als Propagandainstrument geplant waren. Sie entwickelten sich nach dem Krieg zu einer der weltweit wichtigsten Produktionsstätten von Filmen in den 1920er Jahren. Zugleich konnte sich die Filmwirtschaft im von den Kriegsschauplätzen weit entfernten Hollywood immer mehr entfalten, wodurch die US-amerikanische Filmindustrie nach dem Ersten Weltkrieg die Vormachtstellung Frankreichs ablösen konnte. Dies führte Mitte der 1920er Jahre so weit, dass die europäischen Länder Importbeschränkungen erlassen mussten, um die eigene Filmwirtschaft vor der US-amerikanischen Filmflut und somit vor dem Untergang zu retten.
Sehr beliebt beim Publikum waren Slapstick-Komödien, deren bekanntester Vertreter, Charlie Chaplin, schon in den 1910er Jahren mit kurzen Sketchen großen Erfolg hatte. Mit The Kid (1921) drehte er seinen ersten abendfüllenden Film. Auch Buster Keaton war ein Star des Slapsticks und wegen seiner regungslose Mimik bekannt. Während Chaplin auch in der Tonfilmära noch künstlerisch tätig war, bedeutete das Ende des Stummfilms das Ende der Karriere Keatons.
In Europa bestand seit den 1910er Jahren ein besonderes Interesse am kunstvollen Film. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt die Avantgarde des Stummfilms. Der deutsche und österreichische Film dieser Zeit entwickelte eine besondere Ästhetik, die sich an der expressionistischen Malerei orientierte. Als erster expressionistischer Film gilt Das Cabinet des Dr. Caligari (1919) von Robert Wiene.
Die russische Avantgarde zählt Künstler wie Sergej Eisenstein in ihren Reihen, der die Montagetechnik maßgeblich beeinflusste. Sein bekanntester Film, Panzerkreuzer Potemkin (1925) erzählt von einem Aufstand auf dem gleichnamigen Schiff und der Konfrontation der Meuterer mit der russischen Armee in Odessa. Einige Szenen aus dem Film, darunter die Treppenszene in Odessa, gehören zu den meistzitierten in der Filmgeschichte.
Sprechende Bilder und die klassische Hollywood-Ära (1927 bis 1945)
Orson Welles
Die Ära des Tonfilms wurde 1927 in den USA mit Der Jazzsänger eingeleitet. Seitdem wurde die amerikanische Filmproduktion sehr rasch und konsequent auf Ton umgestellt, und auch die weltweite Filmindustrie zog binnen weniger Jahre mit. Dies hatte zunächst zur Folge, dass die frühen Tonfilme gegenüber den bis dato stilistisch weit entwickelten Stummfilmen an Qualität einbüßten. Während amerikanische Filmexporte früher einfach mit Untertiteln versehen wurden, drehte man viele Filme gleich in mehrfacher Ausführung – in anderen Sprachen und zwangsläufig auch mit komplett anderer Besetzung. Die Synchronisation war bei den ersten Tonfilmen aus technischen Gründen noch nicht möglich. Den weltweiten Markt für Tonaufnahme und -abspielgeräte teilten sich 1930 die beiden größten derartigen Unternehmen, Western Electric und Küchenmeister-Tobis-Klangfilm-Gruppe, im Pariser Tonfilmfrieden auf.
Der Tonfilm unterstützte in den 1930er Jahren die Ausprägung einiger neuer Genres: Musicals wie Die 42. Straße (1933), Gangsterfilme wie Scarface (1932), Horrorfilme wie Frankenstein (1931) und Screwball-Komödien wie Leoparden küßt man nicht (1938) hielten Einzug in die Kinos.
Ab 1933, verstärkt jedoch ab Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Ausbreitung des Deutschen Reichs auf immer weitere Teile Europas, setzte eine Emigrationswelle von zumeist jüdischen Filmschaffenden aus Europa ein. Waren deren Auswanderungsziele zu Beginn noch häufig europäische Städte mit Filmindustrie wie Wien, Paris oder London, kristallisierte sich bald die aufstrebende Filmindustrie Hollywoods als begehrtestes und vielversprechendstes Ziel der Emigranten heraus – verstärkt durch gezieltes Anwerben europäischer Filmgrößen durch Hollywood-Studiobosse. Insgesamt verlor Europa während des Nationalsozialismus rund 2.000 deutschsprachige, jüdische Filmschaffende an das Ausland, darunter fast die gesamte Elite des deutschsprachigen Filmschaffens. Rund 800 davon gelangten nach Hollywood. Vielen gelang dort eine ruhmvolle Karriere, viele scheiterten jedoch auch an den neuen Verhältnissen.
Um 1939 herum erreichte das klassische Hollywoodkino seinen Zenit. Typisch für die Klassiker jener Zeit war, dass sie zumeist ein fantasievolles Bild von Glück und Hoffnung zeichneten – ein Merkmal dessen ist auch das obligatorische „Happy End“. Als Ablenkung von dem grauen Alltag (die amerikanische Wirtschaft erreichte in den 1930ern einen Tiefpunkt) waren die Hollywood-Filme vielen Menschen willkommen. Daher brachte die so genannte „goldene Ära“ des Kinos eine Vielzahl von Blockbustern hervor, z. B. Vom Winde verweht (1939). Mit Beginn der 1940er Jahre lässt sich in den USA jedoch auch eine Tendenz zum Realismus ausmachen, bestes Beispiel dafür ist Orson Welles’ Citizen Kane.
In dieser Zeit stärkte das amerikanische Studiosystem seine Macht in der Filmindustrie. Die arbeitsteilige, profitorientierte Produktion, bei der alle Beteiligten unter der Schirmherrschaft des Produzenten standen, engte ambitionierte Regisseure und andere Filmschaffende massiv ein. Stars wurden zum Hauptprodukt und Aushängeschild der Studios – dementsprechend trat die Handlung eines Films oft weit in den Hintergrund. Ein Merkmal jener Zeit sind auch die so genannten Double Features, bei denen nach einem Hauptfilm noch ein B-Film gezeigt wurde – in diesen billig produzierten B-Filmen bestand lange Zeit die einzige Existenzmöglichkeit für individuelle Filmemacher.
Nach Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der amerikanischen Filmproduktion auf Propaganda umgestellt. Viele berühmte Filmschaffende, darunter Charlie Chaplin und Walt Disney, beteiligten sich an der Anti-Nazi-Propaganda.
In Europa ging der „sprechende Film“ hingegen andere Wege. Deutschland befand sich in den frühen 1930er Jahren in der Zeit der Neuen Sachlichkeit, weshalb der so berühmt gewordene expressionistische Film sein Ende fand. Große Erfolge feierte der Film Der blaue Engel (1930), der Marlene Dietrich zum Star werden ließ. Deutsche Tonfilme enthielten zunehmend sozialkritische Elemente, siehe z. B. M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931). Als Ursache dafür muss das Aufkommen des Nationalsozialismus gesehen werden.
Frankreich brachte eine Reihe von Filmen hervor, die man heute dem poetischen Realismus zuschreibt. Bedeutendster Regisseur dieser Stilrichtung war Jean Renoir, sein Lieblingsschauspieler war Jean Gabin.
Entwicklungen des Nachkriegsfilms (1945 bis etwa 1960)
Während die amerikanische Filmproduktion weitgehend ihren gewohnten Gang lief, stand der europäische Film vor einem Neuanfang.
Die ersten europäischen Nachkriegsfilme entstanden in Italien; diese waren aus Gründen des Materialmangels so minimalistisch, dass sie auf sämtliche Effekte verzichteten und oft sogar von Laiendarstellern gespielt wurden. Sie behandelten das Leben der kleinen Bürger und enthielten somit ein großes sozialkritisches Potenzial. Man bezeichnet diese Art Film, dessen wichtigster Regisseur Roberto Rossellini war, als Neorealismus.
In Deutschland wurden sogenannte Trümmerfilme gedreht, die das Elend, das durch den Krieg hervorgerufen worden war, zeigten und damit auch Kritik am Geschehenen übten.
Die europäischen Stilrichtungen, allen voran der italienische Neorealismus, blieben nicht ohne Auswirkung auf den amerikanischen Film: Das Genre des Film noir, das 1941 entstanden war, übernahm einige Elemente des Neorealismus. Während der McCarthy-Ära der frühen 1950er Jahre wurden viele Filmschaffende in den USA aufgrund kommunistischer Inhalte in ihren Filmen verfolgt. Es ist verständlich, dass die Qualität der allgemeinen Filmproduktion dadurch einen Rückschlag erlitt. Weiteres Merkmal der Ära sind die Science-Fiction-Filme, die in großer Zahl hergestellt wurden. Sie handelten meist von Invasionen Außerirdischer (z. B. Der Tag, an dem die Erde stillstand) oder anderer feindlicher Körper (z. B. Formicula) – eine Allegorie der Angst vor dem Kommunismus.
Ein weiterer Einschnitt in die amerikanische und weltweite Filmgeschichte ist die Verbreitung des Fernsehens, das eine ernsthafte Konkurrenz für das Kino darstellte. Als Konsequenz musste sich das Kino weiter entwickeln, um länger das Publikum anziehen zu können. So wurden eine Vielzahl technischer Neuerungen eingeführt, die das Kinoerlebnis attraktiver machen sollten: Die wichtigsten sind das Breitbildformat, Stereoton und Farbe (die schon früher vereinzelt in Filmen eingesetzt worden war, aber nun zum Standard wurde). Andere Spielereien, wie z. B. 3D-Filme, konnten sich auf Dauer jedoch nicht durchsetzen. All diese Neuerungen konnten allerdings nicht verhindern, dass das Kino eine jahrelange Rezession erfahren musste.
Die finanzielle Krise erforderte einen grundlegenden Strukturwechsel der Filmindustrie. Per Gesetz wurde das monopolistische Agieren der großen Studios unterbunden, was letztlich zum Ende des amerikanischen Studiosystems beitrug. Immer mehr Filme wurden mit niedrigen Budgets und unabhängig produziert. Die Internationalisierung des Kinos durch Im- und Exporte weltweit schuf ein neues, vielfältigeres Spektrum an Filmen. Eine besondere neue Vermarktungsstrategie war die Orientierung am jugendlichen Publikum: Musikfilme oder Helden wie James Dean lockten die Jugend an und boten ein Identifikationspotenzial für junge Menschen; Autokinos waren beliebt und weit verbreitet.
In Europa begannen einige Regisseure einen eigenen, unverwechselbaren Stil zu prägen. Nennenswert wären hier Federico Fellini aus Italien, Ingmar Bergman aus Schweden oder Jacques Tati aus Frankreich. Erstmals spielte auch Japan eine Rolle in der internationalen Filmwelt, seit Akira Kurosawas Film Rashomon (1950) den Goldenen Löwen gewonnen hatte.
Neue Wellen (1960er und 1970er Jahre)
Die 1960er Jahre waren die Zeit des Niedergangs des Golden Age of Hollywood. Die Abschaffung des Hays Code markiert das Ende des klassischen Hollywoodkinos, das mit seinen bewährten Rezepten zunehmend in die Krise geriet. Berühmte Regisseure wie Alfred Hitchcock oder John Ford hatten ihr Hauptwerk abgeschlossen, und die legendären Golden-Age-Stars kamen in die Jahre (Cary Grant, John Wayne) oder waren tot (Humphrey Bogart, Gary Cooper). Die großen Studios wurden von alten Männern wie Jack Warner geleitet, die teils seit der Stummfilmzeit ihren Posten bekleideten und keinen Kontakt mehr mit der gesellschaftlichen Realität hatten. Immer mehr Filme wurden am Publikum vorbei produziert, und in einem verzweifelten Versuch, ihre Zuschauer zurückzugewinnen, pumpten die Studios Mitte der 1960er Jahre enorme Summen in künstlerisch weniger bedeutende Monumentalfilme und Musicals.
In dieser Zeit entwickeln sich in Europa neue kreative Filmströmungen. Dort bekam der Regisseur eine zunehmende Bedeutung und wurde zunehmend auch als Drehbuchautor bedeutsam. Dies war bis auf wenige Ausnahmen (Ernst Lubitsch, Billy Wilder, Otto Preminger, Alfred Hitchcock) im Hollywoodkino der 1950er und frühen 1960er Jahre nicht der Fall.
Die französische Nouvelle Vague beginnt als Epoche des Autorenfilms in den späten 1950er Jahre mit Außer Atem von Jean-Luc Godard. Die Filme dieser Epoche basieren auf der Theorie der politique des auteurs, die von einer Gruppe von Kritikern, die für die Filmzeitschrift Cahiers du cinéma schrieben, entwickelt wurde. Sie forderten eine klare künstlerische Autonomie für den Regisseur, und richten sich gegen die tradition de la qualité des französischen Kinos. Zu diesen Kritikern gehörte neben Claude Chabrol, Éric Rohmer, Jacques Rivette und Jean-Luc Godard auch François Truffaut, der mit den Filmen Sie küssten und sie schlugen ihn (1959) und Jules und Jim (1962) die ersten großen Publikumserfolge hatte.
Eine englische Parallele zur Nouvelle Vague stellt in gewisser Weise das Free Cinema dar, das in den frühen 1960er Jahren Konjunktur hatte. Die Filme erzählten meist Geschichten aus der englischen Arbeiterklasse und machten so auf soziale Missstände aufmerksam. Bekannt geworden sind vor allem Verfilmungen des Autors Alan Sillitoe.
Auch in Lateinamerika erwuchs ein neuer Filmstil, der seinen Ursprung in dem Kampf der Bevölkerung gegen politische und wirtschaftliche Unterdrückung hatte, das so genannte Cinema Novo. Kunstschaffende verstanden sich in den 1960er Jahren oft als politische Akteure, und so entstanden nicht nur in Lateinamerika eine Reihe von politisch relevanten Filmen: In vielen osteuropäischen Länder erhoben sich Filmemacher gegen die diktatorischen Regimes.
Der deutsche Film wurde ebenfalls revolutioniert: Eine Gruppe junger Filmemacher verschrieb sich stilistischen und inhaltlichen Neuerungen im Film. Zum Einen wurden althergebrachte Stilkonventionen über den Haufen geworfen, zum Anderen behandelten die neuen Filme oft politisch brisante Themen. Die einflussreichsten Regisseure des Neuen Deutschen Films waren Werner Herzog, Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder.
Der US-amerikanische Film, folgte, wenn auch etwas später, dieser Epoche der Erneuerung mit dem New-Hollywood-Kino. Als Startpunkt dieser Epoche gelten Arthur Penns Bonnie und Clyde (1967) und Mike Nichols’ Die Reifeprüfung (1967). Das amerikanische Kino wird politischer, gesellschaftskritischer und beschäftigt sich zunehmend mit gesellschaftlichen Realitäten wie Sex und Gewalt.
Zwischen Hochglanz und Anspruch (die 1990er Jahre)
In den Neunziger Jahren stiegen die Budgets der Hollywood-Produktionen zum Teil in schwindelnde Höhen. Zudem erweiterten sich die technischen Möglichkeiten, computergenerierte Spezialeffekte wurden zum Standard in vielen Mainstreamfilmen, besonders in den Genres Action und Fantasy. Besonders teuer produzierte Produktionen wie Titanic, Armageddon und Jurassic Park wurden zu den Kassenschlagern des Jahrzehnts. Im Zuge dieser Entwicklung wurde der Begriff des Blockbusters populär.
Auf der anderen Seite lässt sich das Erstarken des Independentfilms beobachten (parallel zum Alternative in der Unterhaltungsmusik). Waren Produktionen mit niedrigerem Budget und höherem künstlerischen Anspruch in den achtziger Jahren noch seltener und schwerer am Markt zu positionieren, gelang es in diesem Jahrzehnt, unabhängigen Regisseuren wie Quentin Tarantino, Terry Gilliam, Jim Jarmusch und den Coen-Brothers, beachtliche Erfolge zu erzielen. Viele Independentfilme waren zwar keine Markterfolge, wurden aber im Laufe der Zeit zu Kultfilmen.
Auch der deutsche Film konnte neue Besucherrekorde verzeichnen. Besonders Komödien wie Schtonk, Der bewegte Mann und Knockin’ on Heaven’s Door waren große Erfolge und stießen zum Teil auch im Ausland auf Beachtung.
Wichtige Filme der 1990er: Das Schweigen der Lämmer – Jurassic Park – Der König der Löwen – Pulp Fiction – Schindlers Liste – Men in Black – Matrix – American Beauty
Computeranimierte Trickfilme
Eine neue Entwicklung der 1990er ist der computeranimierte Trickfilm. Den ersten Versuch, einen abendfüllenden computeranimierten Film zu produzieren, gab es mit The Works schon in den 1980ern, allerdings scheiterte das Projekt. Der 1995 erschienene Film Toy Story von Pixar, in Zusammenarbeit mit Disney, war der erste Kinolangfilm, der allein am Computer erzeugt wurde. Die Pixar Animation Studios spezialisierten sich erfolgreich auf diese Art von Film und produzierten in den folgenden Jahren Das große Krabbeln (1998), Toy Story 2 (1999), Die Monster AG (2001), Findet Nemo (2003), Die Unglaublichen – The Incredibles (2004), Cars (2006) und Ratatouille (Start 2007). Als Konkurrenz in dieser Sparte etablierte sich 1998 Dreamworks mit den computeranimierten Filmen Antz (1998), Shrek (2001), Große Haie – Kleine Fische (2004), Shrek 2 (2004), Madagaskar (2005) und Shrek der Dritte (2007). Als drittem Konkurrenten gelang es den Blue Sky Studios mit den erfolgreichen Filmen Ice Age (2002), Robots (2005) und Ice Age 2 (2006), sich als Produzent computeranimierter Spielfilme zu etablieren. Gemeinsam ist diesen Filmen, dass sie die klassische Erzählstruktur der Disney-Zeichentrickfilme stärker brechen und die Geschichten durch einen (selbst)ironischen Humor begleitet werden.
Das neue Jahrtausend (2000 bis heute)
Im neuen Jahrtausend setzte sich der Trend zu High-Budget-Produktionen fort. Zu Beginn der 2000er lässt sich ein neues Aufblühen des Genres Fantasy beobachten. Filmreihen wie Der Herr der Ringe, Harry Potter und Star Wars erfreuten sich weltweiter Beliebtheit. Jedoch lässt sich mittlerweile ein wachsendes Interesse an ausländischen Produktionen und Independent-Filmen erkennen.
Zugang zur Filmgeschichte
Das Bild, das wir uns von der Filmgeschichte machen, hängt ab von den Filmen, die wir gesehen haben bzw. überhaupt sehen konnten. Wer nicht gerade an einer Filmhochschule ist oder Filmwissenschaft studiert, hat nur einen eingeschränkten Zugang zur Filmgeschichte. Was ins Kino bzw. ins Fernsehen kommt, entscheiden andere. Außer von den bekannten wirtschaftlichen Strukturen ist der Filminteressent von dem Geschmack der Programmmacher bzw. von dem, was diese für den Geschmack des Publikums halten, abhängig. Teilweise kann diese Vorauswahl durch Eigeninitiative (z. B. Besuch von Filmfestivals) korrigiert werden.
Seit der Erfindung der Videokassette, mehr noch der DVD, geraten diese Einschränkungen mehr und mehr aus dem Blick, die Illusion der völligen technischen Verfügbarkeit der Filmgeschichte herrscht vor. DVD-Editionen wie z. B. die Cinemathek der Süddeutschen Zeitung, die seit März 2005 erscheint, verheißen einen leichten und billigen Zugang. Tatsächlich aber, so meinen Kritiker, verstärkt diese Edition nur den üblichen, extrem verkürzten Blick auf die Filmgeschichte. Sie enthält z. B. keinen einzigen experimentellen Film, keinen Dokumentarfilm, keinen einzigen afrikanischen Film, keinen einzigen Film von einer Regisseurin. Die mittlerweile erhältliche Fortsetzung der SZ-Cinemathek behebt diesen Missstand zumindest teilweise. Sofia Coppola wurde als erste Regisseurin gewürdigt (Lost in Translation). Die der SZ-Cinemathek nachempfundene Filmkollektion Der österreichische Film, die dem Namen entsprechend ausschließlich österreichische Filme der letzten Jahrzehnte beinhaltet, berücksichtigte bereits in der ersten, 50-teiligen Ausgabe auch das Experimental- und Avantgardefilmschaffen des Landes.
Gesellschaftliche Bedeutung
In der heutigen Gesellschaft kommen dem Film im Wesentlichen drei Bedeutungen zu: erstens als Massenmedium zur Information und zur Bewusstseinsbildung; zweitens – da die Produktion von professionellen Filmen in der Regel einen erheblichen technischen und finanziellen Aufwand bedeutet – eine wirtschaftliche Bedeutung; sowie drittens als Kunstgattung mit ihren eigenen unverwechselbaren Aspekten.
Besonders zur Frühzeit des Films schieden sich die Geister, ob der Film nun als simples Unterhaltungsmedium oder als neue Kunstform anzusehen sei. Eine filmtheoretische Schrift aus dem Jahre 1928 berichtete:
„Wie wir sehen, sind also die an der Filmherstellung beteiligten Fachleute in zwei große, fast feindliche Lager getrennt. Die einen sehen im Film nichts anderes als ein gegenwärtig sehr gangbares Mittel, einträgliche Geschäfte zu machen, eine Ware, die man den Wünschen der Zwischenhändler oder Verbraucher anpasst; die anderen betrachten das Lichtspiel als ein neues Gebiet für den schöpferischen Gestaltungswillen, als ein Mittel zu neuartiger Formung und Ausbeutung von Lebenskräften, kurz: als eine neue Kunst. Billigerweise muss man beide Standpunkte gelten lassen, denn schließlich kann man diese Zweiteilung von Kunst und Geschäft, Schöpfung und Betrieb, Erhebung und Zerstreuung, Werk und Ware auch bei den anderen Kunstzweigen beobachten.“
Film als Massenmedium
Der Film kann seit dem 20. Jahrhundert als eines der wichtigsten Massenmedien überhaupt angesehen werden, sowohl in Form des Kinos als auch in Form des Fernsehens. Er ist damit zugleich eines der wichtigsten Elemente der modernen Kultur überhaupt geworden. So sind fiktive Filmfiguren, filmtypische Verhaltensweisen, Klischees und Stereotypen, aber auch die Auslotung neuer bildhafter Wahrnehmungs- und Erfahrungsräume im Zeitalter der massenhaften Verbreitung des Films zu einem festen Bestandtteil der Populärkultur avanciert und prägen diese entscheidend mit. Seit jeher ist das Medium Film mit der Kultur der breiten Masse verbunden, die sich ihm, sei es gemeinsam im Kinosaal oder jeweils einzeln im Wohnzimmer, von Anbeginn an bereitwillig hingab; die Filmindustrie – von Kritikern auch als „Kulturindustrie“ bezeichnet – hat auf diese Massenkompatibilität des Films früh reagiert und diese mit entsprechenden „leichten“ Produktionen als „Massenware“ kommerziell für sich zu nutzen gewusst. Gleichwohl war auch im Hollywood-Kino immer wieder auch Raum für filmische Experimente und künstlerische Weiterentwicklungen jenseits des klassischen „Erzählkinos“, auch wenn der Experimentalfilm im engeren Sinn nur außerhalb des etablierten Betriebs möglich war.
Film als Kunstform
Der Film in seinen verschiedenen Ausprägungsarten kommt der menschlichen Neugier und dem Bedürfnis nach Unterhaltung entgegen. Für den Zuschauer bieten fiktive Unterhaltungsfilme, sogenannte Spielfilme, die Möglichkeit, in eine imaginäre Phantasiewelt einzutauchen, in der die Regeln des Alltags auf den Kopf gestellt sind. Psychoanalytische Filmtheorien betonen dabei insbesondere die Verwandtschaft der Filmbilder mit den Bildern des Traumes, die beide dem Zuschauer bzw. dem Träumenden die Möglichkeit zur Entspannung verschaffen.
Für die an der unmittelbaren Herstellung des Films beteiligten Akteure – insbesondere die Schauspieler, den Regisseur, den Drehbuchautor oder den Kameramann, aber auch den Cutter, den Komponisten der Filmmusik und die übrigen zahlreichen Helfer – ist der Film zudem ein Mittel künstlerischen Ausdrucks und kultureller Tätigkeit. So sind bestimmte Filme, ganz besonders die sogenannten „Autorenfilme“, mittlerweile als fester Bestandteil der Hochkultur etabliert und werden wie andere künstlerische Werke rezensiert und kunstgeschichtlich analysiert. Zu den künstlerischen Formen des Films zählt insbesondere der Experimentalfilm. Filme mit geringerer Qualität werden gern als B-Movie oder (Film-)Klamotte bezeichnet.
Allgemein wird der Film der Kunstform Literatur zugeordnet, wie auch das verwandte Theater. Abhängig von Art, Zweck, Inhalt oder Gestaltungsmerkmalen eines Films kann dieser einem oder mehreren Filmgenres wie Kriminalfilm, Dokumentarfilm, Komödie, Science-Fiction-Film, Horrorfilm, Kriegsfilm, Liebesfilm etc. zugeordnet werden.
Zahlreiche Filmfestivals (Filmfestspiele) weltweit vergeben zumeist jährlich ihre Filmpreise an Filmproduktionen und Filmschaffende, die sich an Qualitätskriterien, die von eigens zusammengestellten Jurys beurteilt werden, orientieren. Die bekanntesten und bedeutenden Filmpreise werden auf den so genannten „A-Festivals“ vergeben.
Staaten, in denen sich ein Filmschaffen gebildet hat, betrachten ihn in der Regel als Ausdruck ihrer kulturellen Identität. Die „Filmpolitik“ eines Landes besteht deshalb häufig darin, die nationale Filmproduktion auszubauen und ihre Leistungsfähigkeit – auch im internationalen Wettbewerb – zu sichern und zu fördern.
Film als Wirtschaftsfaktor
Die Filmwirtschaft umfasst alle Bereiche des Films von der Filmherstellung, der Produktion bis zu seiner Verbreitung, Vermarktung, Vervielfältigung und Verwertung (Filmverleih). Da die Herstellung von Filmen finanziell aufwändig ist, stellt sich immer die Frage der Filmfinanzierung. Während in den Vereinigten Staaten, vor allem in den großen Studioanlagen von Hollywood, die Filme mit ihrem internationalen Verkauf finanziert werden, sind europäische Filmproduktionen fast immer von Förderungen abhängig. Die Ursachen dafür liegen unter anderem in der klein strukturierten europäischen Filmwirtschaft, während man in den Vereinigten Staaten von einer wahren Filmindustrie sprechen kann. Insbesondere „Hollywood“ gilt als Synonym für die amerikanische Filmindustrie, da sich hier alle großen und wichtigen Filmstudios befinden.
Ein wesentlicher Faktor zur Beurteilung des Erfolgs eines Films sind die Besucherzahlen in den Kinos sowie in weiterer Folge die Absatzzahlen von Verbreitungsmedien wie DVDs sowie Merchandising-Produkten (Spiele, Spielzeug etc.). Aufgrund vielfältigerer Freizeitmöglichkeiten und der Einführung des Fernsehens Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Anzahl der Kinobesuche und damit auch die Anzahl der Kinos weltweit in unterschiedlich starker Ausprägung bis in die 1990er Jahre stark zurückgegangen.
Im Jahre 2005 stieg die weltweite Spielfilmproduktion im Vergleich zu 2004 um 7,8 Prozent auf 4603 Filme an. Die meisten Filme wurden in Indien hergestellt, welches Land 2005 mit 1041 Filmen erstmals die Gesamtproduktion der EU-25-Staaten (1035) übertraf (siehe auch: Bollywood). Den zweitgrößten Filmausstoß haben die Vereinigten Staaten von Amerika (699 Filme). Es folgen Nigeria bzw. Nollywood (500), Japan (356), China (260) und Frankreich (240).
Filmproduktion
Die Filmkunst erfordert ein Zusammenwirken verschiedener künstlerischer Fähigkeiten, unter anderem in den Bereichen Dramaturgie, Schauspielkunst, Fotografie (Lichtgestaltung, Kadrage bzw. Bildausschnitt, Filmmontage und Tonkunst). Die an einem Film maßgeblich beteiligten Personen werden als Stab bezeichnet. Aufgrund der hohen Aufwendungen für einen Film werden im Allgemeinen auch immer wirtschaftliche Fragestellungen berücksichtigt. In Europa sind Spielfilme in der Regel auf Filmförderungen angewiesen.
Die Phasen einer typischen Filmproduktion sind:
- Stoffentwicklung bzw. Drehbuch
- Filmfinanzierung
- Vorproduktion
- Dreh
- Postproduktion
- Filmauswertung
Technische Voraussetzungen
Filme bestehen aus statischen Einzelbildern (Fotografien). Der filmische Effekt, die Illusion von Bewegung, entsteht beim Betrachter, wenn Einzelbilder in schneller Abfolge gezeigt werden. Ab einer Frequenz von etwa fünfzehn Bildern pro Sekunde werden sie auf Grund des Zusammenwirkens von Stroboskopeffekt und Nachbildwirkung (Trägheit des Auges) auf der Netzhaut des menschlichen Auges nicht mehr als Einzelbilder, sondern als filmische Bewegung wahrgenommen, die optisch einer realen Bewegung ähnelt.
Die Filmkunst tritt in drei großen Ausprägungsformen auf: Hier ist zum einen die klassische Filmarbeit, die mit Hilfe fotografischer Verfahren Einzelbilder von Ereignissen in schneller Abfolge auf Filmmaterial ablichtet (siehe Filmkamera). Zunehmend wird seit 2000 die Möglichkeit genutzt, Bilder durch elektronische Verfahren (siehe auch: Digitale Kinokamera) aufzunehmen. Schließlich wäre der Trickfilm zu nennen, insbesondere der Zeichentrickfilm sowie seine aktuelle Fortentwicklung im Computeranimationsfilm, bei denen keine realen Vorgänge als Ganzes abgefilmt werden, sondern die Bilder einzeln durch Zeichnen, Stop-Motion, oder digitale Animation erzeugt werden. Das jüngste Sub-Genre hiervon bilden die Machinima, mittels Computerspielen erstellte Animationsfilme.
Diese Bilder werden durch Projektoren auf eine Leinwand in verdunkeltem Raum geworfen, wo der Eindruck von lebendiger Szene entsteht.
Seit dem letzten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts scheinen auf Grund der rasanten Entwicklung der Numerik diese technisch bedingten Unterschiede zu verschwimmen, insbesondere bei kommerziellen Produktionen. Dabei ist ein Trend zur zunehmenden Digitalisierung der gesamten Herstellungskette zu beobachten: Realbilder werden zunächst vom fotografischen Filmmaterial ausgehend digitalisiert oder bereits direkt mit hochauflösenden Digitalkameras aufgenommen. Damit erfolgt die Produktion des Filmes körperlos, wobei sie insbesondere auch durch künstlich erzeugte Bilder oder Bildteile ergänzt wird. Schließlich eröffnet das Vorliegen einer fertigen Produktion im Digitalformat neue Formen der Vermarktung: So werden für Filme zunehmend zusätzliche Szenen vorgesehen, die nicht im Kino, jedoch auf DVDs zu sehen sind; digitale Streaming-Verfahren erlauben über das Internet neue Arten des Verkaufs von Filmen. Für die klassischen Filmtheater wird die Produktion auf herkömmliches Material kopiert.
Filmtheorie
Die Filmtheorie ist das theoretische Verständnis des Films. Da Film als Kunst, als Medium oder auch als Ware begriffen werden kann, gibt es dementsprechend ästhetische, kommunikationstheoretische, medienwissenschaftliche bzw. medientheoretische sowie wirtschaftliche Filmtheorien. Unterschieden werden können auch Theorien, die den Akzent eher auf die Filmemacher legen einerseits und Rezeptionstheorien andererseits, die sich mit der Wirkung des Films auf den Zuschauer befassen. Letztere stehen unter anderem im Zentrum der sogenannten Medienwirkungsforschung sowie der Medienpsychologie. Das zentrale Instrument zur theoretischen Untersuchung einzelner Filme ist die Filmanalyse.
Institutionen und Organisationen
Zahlreiche Institutionen beschäftigen sich weltweit wissenschaftlich mit dem Film, dessen Bewahrung für die Zukunft und der Förderung qualitativen Filmschaffens in der Gegenwart. Eine langfristig besonders wichtige Rolle kommt dabei den Filmarchiven zu, die sich der Sammlung und Ordnung der weltweit produzierten Filme widmen und die vor allem seit der Zwischenkriegszeit in größerem Maße aufgebaut wurden.
Verschiedene Arten von Filmorganisationen beschäftigen sich mit weiteren Aspekten des Films, etwa der Vermarktung und Bewerbung nationaler Produktionen. Vom Schauspieler bis zum Produzenten besteht weltweit eine Vielzahl an Interessens- und Berufsverbänden.
Auf europäischer Ebene ist die European Film Promotion, ein Zusammenschluss von Filmorganisationen aus 28 europäischen Ländern, ergänzend zu den EU-Förderprogrammen Media Programm und EURIMAGES der bedeutendste überstaatliche Bewerber und Vermarkter des europäischen Films in der Welt.